Karin Rocholl

Elfriede Jelinek

«Vielgeliebtes Österreich» hieß die Sendereihe im ORF, zu der die junge Autorin, ganz am Anfang ihrer Schriftsteller-Karriere, die Folge «Die Ramsau am Dachstein» beisteuerte. Aber Jelinek war schon damals Jelinek, ein erbauliches Fernsehfeature voll Heimatstolz & Postkartenidylle lieferte sie nicht.
Ein Jahr später verschnitt sie das Material der eigenen Sendung zu einem medienkritischen Hörspiel: «Porträt einer verfilmten Landschaft».

Der radikale Ansatz ist unverändert, doch das Verfahren beherrscht sie inzwischen virtuos: Jelinek arbeitet für die Medien gegen die Medien. Yellow Press und Heftchenromane, Trash-TV und Horrorfilme, Hochliteratur und Fernsehsoaps: Diese Autorin findet ihr Material im Papierkorb.

Im Vorwort zu «Bambiland» dankt sie Aischylos. «Der Rest ist aber auch nicht vor mir. Er ist von schlechten Eltern. Er ist von den Medien.»
CNN, «Bild» und «Kronen-Zeitung», zur Kenntlichkeit entstellt, damit macht man sich keine Freunde. Die Anfeindungen und Schmähungen, vor allem aus dem «vielgeliebten Österreich», nimmt sie gelassen, wohl wissend: «Ich bin eine Buhfrau.»
Aus Medienmüll macht sie Dichtung, das wird über den öffentlichen Kontroversen oft vergessen. Als ihr für «Jackie» der Hörspielpreis der Kriegsblinden verliehen wurde, konstatierte der Juror Jörg Drews: «Elfriede Jelineks Hörspiel vertraut auf die Kraft der Sprache, auf die Eindringlichkeit von Bildern, auf die Widerhaken, die in paradoxer Metaphorik und im verstörenden Kalauer liegen.»


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Elfriede Jelinek, geboren 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark, zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren.

Neben Theaterstücken, Lyrik, Essays, Übersetzungen und Romanen (u.a. «Die Klavierspielerin», 1983; «Lust», 1989 und «Die Kinder der Toten», 1995) schreibt sie Hörspiele und Drehbücher.

Ausgezeichnet wurde Elfriede Jelinek mit zahlreichen Literaturpreisen, u.a. dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (1986), dem Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum (1994), dem Bremer Literaturpreis (1996), dem Georg-Büchner-Preis (1998), dem Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf (2002), dem Mülheimer Dramatikerpreis (2002 und 2004), dem Lessing-Preis (2004) und dem Franz-Kafka-Preis (2004).

2004 erhielt Elfriede Jelinek den Nobelpreis für Literatur.

Elfriede Jelinek lebt in Wien und München.