Michael Dannenmann

Henriette Piper

Sie ist eine der vielseitigsten Drehbuchautorinnen, in verschiedenen Genres – Drama und Komödie, Krimi und Kinderfilm – gleichermaßen zu Hause, schreibt ebenso erfolgreich für das Fernsehen wie für die Kinoleinwand. Aber all ihren Arbeiten gemeinsam ist die Faszination für das scheinbar Vergangene, das Verdrängte und Unbewältigte. Dabei erreicht Henriette Piper auch mit schwierigen Themen und Stoffen immer den Zuschauer.

In «Bevor es dunkel wird» – Titel ihres HR-«Tatorts» – wird eine alte Rechnung beglichen. Ein Verbrechen, das vor Jahrzehnten begangen wurde, begleitet – in dem Krimi «Eiserne Hochzeit» aus der Reihe «Der Kommissar und das Meer» – eine Familie wie ein Fluch. Das Fernsehspiel «Ein Dorf schweigt» handelt von einer Flüchtlingsfamilie im Deutschland der Nachkriegszeit. Ihr Zweiteiler «Gottes mächtige Dienerin» schildert das Leben der mächtigsten Frau im Vatikan, der Nonne Sr. Pascalina, an der Seite des wohl umstrittensten aller Päpste, Pius XII,, dem sein Schweigen vorgeworfen wird.

Hierzulande wird von der Kritik oftmals pauschal verdächtigt, was Quote bringt, und kaum beachtet, dass emotionale Geschichten im Fernsehen nicht klebrige Schmonzetten sein müssen. «Gottes mächtige Dienerin» mit Christine Neubauer erzielte über 17 % Marktanteil. «Es hätte wirklich schrecklich werden können», begann die FAZ ihre Besprechung, um am Ende verwundert festzustellen, dass diese Degeto-Produktion (!) «ein kluger Film» ist. Die freie Adaption des Kästner-Klassikers «Das fliegenden Klassenzimmer», die im Kino mehr als zwei Millionen Zuschauer sahen, ist das seltene Beispiel für eine geglückte Übertragung in die Gegenwart. «Entstaubte Musterknaben» schrieb die «Neue Zürcher Zeitung» über den Film, der «ganz leicht daherkommt und einen am Ende doch richtig packt». Das ist die Kunst, die Henriette Piper beherrscht.

In ihren aktuellen Kinoprojekten versucht sie Neues: Im Kinderfilm «Jona und das Geheimnis im Ritualbad» wagt sie anhand einer spannenden Schatzsuche eine Annäherung an das Thema Holocaust. Und ihr Kinofilm «Musensöhne» um ein Elite-Internat im 3. Reich erzählt eine bewegende, universale Geschichte von Verrat und Versöhnung, die sich über 60 Jahre und zwei Erdteile erstreckt.

www.henriettepiper.de


Henriette Piper, geboren 1951 in Kiel. Studium der Germanistik, Geschichte und Skandinavistik in Deutschland und Schweden.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am «Deutschen Wörterbuch» und Lehrerin an Abendgymnasien und der VHS bis 1990. Veröffentlichung von Kindergeschichten und Übersetzung mehrerer Romane aus dem Schwedischen.

1991 Stipendium bei der Drehbuchwerkstatt München, seitdem hauptberufliche Drehbuchautorin.

Für «Das fliegende Klassen-zimmer» und «Das Puppenhaus» wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Bundesfilmpreis in Gold, dem Preis der Kinderjury beim Kinder-filmfestival Goldener Spatz in Jena und dem Golden Butterfly im Iran.

Henriette Piper lebt in Solingen.