Gedankenflüchtigkeit
Das fast 1000 Seiten zählende Werk entstand nach der Nobelpreisverleihung an Elfriede Jelinek (2004) und wurde nicht als Buch, sondern auf ihrer eigenen Homepage publiziert - eine Unabhängigkeitserklärung vom Kulturbetrieb. Neid wurde sukzessive, in der Zeit von März 2007 bis April 2008, ins Netz gestellt. Über weite Strecken wirkt der Text wie in mündlicher Rede formuliert. Ein wesentliches Erzählprinzip ist die Abschweifung, das fast unkontrollierte Wuchern der Gedanken. Die Erzählerin verliert immer wieder, ja hauptsächlich den Faden. Neid vermittelt den Eindruck eines Höchstmaßes an narrativer Freiheit und - das scheint mir der treffendste Begriff - Willkür.
Das fast 1000 Seiten zählende Werk entstand nach der Nobelpreisverleihung an Elfriede Jelinek (2004) und wurde nicht als Buch, sondern auf ihrer eigenen Homepage publiziert - eine Unabhängigkeitserklärung vom Kulturbetrieb. Neid wurde sukzessive, in der Zeit von März 2007 bis April 2008, ins Netz gestellt. Über weite Strecken wirkt der Text wie in mündlicher Rede formuliert. Ein wesentliches Erzählprinzip ist die Abschweifung, das fast unkontrollierte Wuchern der Gedanken. Die Erzählerin verliert immer wieder, ja hauptsächlich den Faden. Neid vermittelt den Eindruck eines Höchstmaßes an narrativer Freiheit und - das scheint mir der treffendste Begriff - Willkür.
Erzählerische Willkür
Liest sich der Text wie ein Redefluss, ist er gleichzeitig eingebettet in ein pseudo-triviales Fortsetzungsmuster, das aber nicht bedient, sondern mit auktorialer Willkür zweckentfremdet wird. Willkür überhaupt ist in Neid allerorten. Etwas kann erzählt oder angedeutet, aber auch jederzeit wieder abgebrochen und vielleicht wieder fortgesetzt werden oder auch nicht. Dieser Text darf, wie er zu erläutern nicht müde wird, eigentlich alles. Mit Neid erreicht Jelinek ein Höchstmaß an narrativer Souveränität. Es geht nicht um Machtausübung, vielmehr um Abgrenzung und Autonomie: die willkürliche Anmutung des Erzählverlaufs und die Form der Veröffentlichung auf der eigenen Homepage www.elfriedejelinek.com, lassen mich an Max Stirner und sein Werk Der Einzige und sein Eigentum denken. - Das «Buch, erhältlich ist es nur hier, bei mir», heißt es übrigens an einer Stelle im «Privatroman».
Liest sich der Text wie ein Redefluss, ist er gleichzeitig eingebettet in ein pseudo-triviales Fortsetzungsmuster, das aber nicht bedient, sondern mit auktorialer Willkür zweckentfremdet wird. Willkür überhaupt ist in Neid allerorten. Etwas kann erzählt oder angedeutet, aber auch jederzeit wieder abgebrochen und vielleicht wieder fortgesetzt werden oder auch nicht. Dieser Text darf, wie er zu erläutern nicht müde wird, eigentlich alles. Mit Neid erreicht Jelinek ein Höchstmaß an narrativer Souveränität. Es geht nicht um Machtausübung, vielmehr um Abgrenzung und Autonomie: die willkürliche Anmutung des Erzählverlaufs und die Form der Veröffentlichung auf der eigenen Homepage www.elfriedejelinek.com, lassen mich an Max Stirner und sein Werk Der Einzige und sein Eigentum denken. - Das «Buch, erhältlich ist es nur hier, bei mir», heißt es übrigens an einer Stelle im «Privatroman».