Alles auf Mimi. Eine Komödie à la Dani Levy: «Die Welt der Wunderlichs»

«Bei mir schlafen das Tragische und das Komische immer zusammen im Bett», sagt Dani Levy. «Komödien sind ja auch Tragödien, in der Komödie schlummert immer das Drama.» Er will, dass die Figuren wirklich berühren, man mit ihnen lacht und nicht über sie. «Ich finde es immer wichtig, als Filmemacher in Augenhöhe mit den Figuren zu sein, sich nicht über sie zu stellen. Ich möchte, dass man mit den Figuren mitleidet, dass man irgendwie auch versteht, woher die kommen, dass man spürt, dass sie eine große Sehnsucht haben, eigentlich zusammen zu sein, gemeinsam ein gutes Leben zu führen, und wie schwer sie es sich alle gegenseitig machen und wie eben auch komisch so eine dysfunktionale Familie ist.»

Alleinerziehend und überfordert: Mimi Wunderlich (Katharina Schüttler) hat's nicht leicht. Weil ihr hyperaktiver Sohn Felix (Ewi Rodriguez) schon wieder Chaos gestiftet hat – diesmal hat er die Lehrerin in den Schrank gesperrt und den Schlüssel ins Klo geschmissen –, muss Mimi Hals über Kopf zur Schule und verliert darüber ihren Job als Verkäuferin im Elektronik-Supermarkt. Walter, Mimis manischer Vater (Peter Simonischek), ist aus dem Krankenhaus getürmt, hat sich eine neue Flamme angelacht und verwettet beim Pferderennen Geld, das ihm nicht gehört. Johnny (Martin Feifel), der Erzeuger von Felix und Mimis Ex, ist ein abgehalfterter Musiker, der Sex, Drugs & Rock'n Roll nicht verkraftet hat und nicht einmal ein paar Stunden auf Felix aufpassen kann. Mimis Mutter Liliane (Hannelore Elsner) ist hypochondrisch, die Schwester Manuela (Christiane Paul) ziemlich krass drauf, und dann gibt es auch noch einen Typen (Steffen Groth), den Mimi, als sie aus ihrer Arbeitsstelle flüchtete, auf dem Parkplatz angefahren hat. Kurz, eine sehr anstrengende Familie. Mimi kümmert sich um alle und ist im Dauereinsatz – man kann verstehen, dass sie kurz vorm Durchdrehen ist.

Nun kommt, als sei das nicht alles schon zu viel, die nächste Eskalationsstufe. Der siebenjährige Felix hat sie heimlich bei einem Song-Contest in der Schweiz angemeldet, da Mimi einst mal Musikerin werden wollte. Das hat nicht geklappt, und nun wird sie eingeladen in die Show «Second Chance». Sie will eigentlich unbedingt allein dahin gehen, doch da hat sie die Rechnung ohne ihre liebe Familie gemacht, die sie gegen jeden Widerstand begleiten will und nicht abzuschütteln ist. Auf einer solchen Reise kann man sich nicht aus dem Weg gehen wie daheim, da kommen etliche Wahrheiten ans Licht, andererseits schweißt das Abenteuer auch zusammen.

Eine Screwball Comedy on the road. Das Road Movie beginnt in Mannheim und endet in Zürich. Dieser Film spielt einmal nicht in Berlin und auch nicht in der bayerischen Provinz, sondern in einer Stadt, die für den deutschen Film ein noch unentdeckter Schauplatz ist. «Mannheim hat eine urbane Romantik und viel Industrie, denn es ist eine Arbeiterstadt», erklärt Dani Levy. «Die Mischung aus Provinz und Kultur, aus Überschaubarkeit und Enge fasziniert mich, zumal ich selbst in einer solchen Stadt aufgewachsen bin.» Seinen Film, in dem es um Musik und psychische Störungen geht, sieht Levy hier am richtigen Ort angesiedelt, denn Mannheim erlebt er als lebendige, raue, aber auch ehrliche Stadt, deren Image gut zu den Figuren passt, «ein bisschen wie Hamburg vor 20 Jahren».

In Zusammenarbeit mit der Mannheimer Popakademie entstand der von zwei Studenten komponierte Titelsong «Falling», den Mimi beim Contest singt. Handlungen und Schauplätze sollen möglichst authentisch wirken. Ein solches Walk-In-Motiv, ein realer Schauplatz, an dem die Filmemacher kaum Veränderungen vornehmen, fand Levy u. a. im Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, wo während des laufenden Betriebs gefilmt wurde. Auch auf der Rennbahn Mannheim-Seckenheim konnte während eines Pferderennens gedreht werden.

Gedreht wurde an 32 Tagen in Hessen, Baden-Württemberg und der Schweiz. «Die Welt der Wunderlichs» ist eine Produktion von X Filme und der Schweizer Produktionsfirma Zodiac Pictures; von Fernsehseite sind der SWR, die Degeto, arte und das SRF beteiligt. Dani Levy versammelte für den Film seine Family um sich, vom Regieassistent Arndt Wiegering über den Kameramann Carl-F. Koschnick bis zum Komponisten Niki Reiser, sie alle arbeiten seit vielen Jahren mit ihm zusammen. «Die Welt der Wunderlichs» startet im deutschen Kino am 13. Oktober.

Bilder: © X-Filme Creative Pool GmbH
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