Nun auch als 3D Animation: «Der kleine Vampir»

«Der kleine Vampir» erschien 1979 im Rowohlt Verlag; bis 2015 folgten 20 weitere Bände. Die Geschichte der Freundschaft zwischen Rüdiger von Schlotterstein und Anton Bohnsack wurde zu einem weltweiten Erfolg: in über 30 Sprachen übersetzt, mehr als zwölf Millionen Mal verkauft. Und mehrfach verfilmt. Eine erste Fernsehserie entstand 1985; eine zweite folgte 1993. Ein international produzierter Realfilm kam 2000 ins Kino (Deutscher Filmpreis in Gold als bester Kinderfilm). Nun erobert «Der kleine Vampir» zum ersten Mal als 3D-Animationsfilm die Leinwand.

Es beginnt in der heimischen Gruft in Transsilvanien, wo Rüdiger von Schlotterstein – nun schon zum 300. Mal – seinen 13. Geburtstag feiert. Auch wenn er selbst nicht in Stimmung ist, planen seine Eltern ein Fest mit der gesamten Verwandtschaft. Kurz bevor die Festivitäten steigen können, rebelliert Bruder Lumpi wieder einmal gegen die strengen elterlichen Regeln und begeht eine Dummheit, die Vampirjäger Geiermeier und dessen Assistenten Manni auf die Spur der Familie führt. Als die beiden Schurken die gesamte Gruft abriegeln, können sich nur Rüdiger, seine kleine Schwester Anna und die Eltern in Sicherheit bringen und zu Verwandten in den Schwarzwald fliehen.
Hier verbringt gerade der 13-jährige Anton Bohnsack die Ferien mit seinen Eltern. Als Fan von Gruselgeschichten freut er sich riesig, endlich mal einen waschechten Vampir kennenzulernen! Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft … Sie versuchen gemeinsam, Geiermeier und Manni das Handwerk zu legen und den Vampirclan aus der Gruft zu befreien.

«Der kleine Vampir» ist eine internationale Koproduktion, entstanden 2013 bis 2017 in Animationsstudios in Kopenhagen, Hannover und Amsterdam. Die treibende Kraft war Richard Claus, Produzent, Coautor und Co-Regisseur des Films. Seine Firma Comet Film hat zusammen mit First Look (Niederlande) und A. Film (Dänemark) den Film produziert, an dem sich außerdem Cool Beans, Telescreen und Rothkirch Cartoon-Film beteiligten. Für das Drehbuch konnte Claus als Coautor Larry Wilson gewinnen, der u.a. «Die Addams Family» für Tim Burton geschrieben hat. (Das Autorenduo Claus/Wilson hatte bereits im Jahr 2000 «Der kleine Vampir» als Realverfilmung umgesetzt.) Die Regie teilte sich Claus mit Karsten Kiilerich. Gefördert von nordmedia, der Film- und Medienstiftung NRW sowie dem DFFF, hat Buena Vista International den Vertrieb übernommen; Universum Film bringt «Der kleine Vampir» in die deutschen Kinos.

Angela Sommer-Bodenburg hat in ihren Büchern vom kleinen Vampir ein eigenes Universum erschaffen. Richard Claus: «Ein Vampir als Kind – das ist Angela Sommer-Bodenburgs Erfindung. Bevor ihre Bücher herauskamen, waren Vampire immer erwachsen, aber sie hat einen ganzen Vampir-Familienclan mit Eltern, Kindern, Tanten und Onkeln erfunden – und dabei das ganze Vampir-Genre auf den Kopf gestellt. Denn bei ihr sind die Vampire die Guten und der Vampirjäger ist der Böse. Natürlich haben die Sterblichen Vorurteile gegenüber den Vampiren und umgekehrt. Also müssen Rüdiger und Anton und auch ihre Eltern ihre vorgefassten Meinungen aufgeben, damit sie Freunde werden können.»

Angesichts von 21 Büchern konnten die Filmemacher aus dem Vollen schöpfen, waren sich aber doch sehr schnell einig, bei den beiden Hauptfiguren Anton und Rüdiger und ihren charakterlichen Unterschiede nahe an der literarischen Vorlage zu bleiben. Auch die Geschwister des kleinen Vampirs – sein älterer Bruder Lumpi und die jüngere Schwester Anna – spielen eine zentrale Rolle. Angela Sommer-Bodenburg: «Für mich ist auch Anna ungeheuer wichtig, weil ich in sie auch Aspekte von mir selbst hineingebracht habe. Sie wird zum Mittler zwischen Rüdiger und Anton.»
Aber was wäre ein Animationsfilm ohne einen Bösewicht? Geiermeier, der in der Buchreihe als Friedhofswärter auftaucht, hat sich hier zum professionellen Vampirjäger gemausert - und noch einen Helfer an die Seite gestellt bekommen: den genialen (oder doch nur verrückten?) Erfinder Manni, der von Wigald Boning gesprochen wird. Richard Claus: «Ein Film braucht einen unterhaltsamen Schurken – und wenn der Schurke niemanden hat, mit dem er sich austauschen kann, ist er nur ein Zehntel so interessant.»
Eine Grundsatzentscheidung, die schon sehr früh in der Entwicklungsphase getroffen wurde: Die beiden Protagonisten sollten ein paar Jahre älter sein als in der Buchvorlage – wenn sie zu jung sind, glaubt man ihnen bestimmte Aktionen weniger, daher erschien es vernünftig, sie zu 13-Jährigen zu machen.
Die Welt die der Film präsentiert, sollte aber bei aller Vampir-Action zugänglich und nachvollziehbar bleiben. Karsten Kiilerich: «Es mag bei einem Vampirfilm zunächst einmal seltsam klingen, aber uns kam es darauf an, dass die Geschichte realistisch bleiben würde. Gerade wenn man eine so fantastische Story erzählt, kommt es darauf an, dass die Figuren nachvollziehbar und in sich stimmig bleiben. Dasselbe gilt für das Produktionsdesign: Wir suchten nach einem markanten, eigenen Stil, der sich aber auch nicht zu weit von der realen Welt entfernen sollte.»
Welche Geschichte aber wäre für einen computeranimierten Film um den kleinen Vampir die richtige? Richard Claus erzählt: «Wir haben ganz klar gesagt: Wir machen keine Fortsetzung und auch kein Remake.» Die Filmemacher begannen mit der Arbeit, die Geschichte von Grund auf neu zu denken. Sie wussten ja, wenn wir einen Animationsfilm machen, können wir atemberaubende Actionszenen auf die Leinwand bringen – «ohne, dass wir uns wie damals beim Realfilm Gedanken darüber machen mussten, wie wir das im Studio nachbauen», erinnert sich Claus. «Wenn ich daran denke, was wir vor 20 Jahren für einen Aufwand betrieben haben mit fliegenden Kindern und fliegenden Kühen – die armen Kinder, die von der Decke gehangen haben, um Flugszenen zu simulieren...»

Bilder: © Universum Film
Nun auch als 3D Animation: «Der kleine Vampir»